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Sexueller Missbrauch - Aktuelle Informationen April 2024

Informationen zu sexuellem Missbrauch im Kontext der deutschen Provinz der Missionare von der Heiligen Familie Stand: April 2024

(Paul Piepenbreier - Unabhängige Ansprechperson, - Missionare von der Heiligen Famiie,
informieren über den Aktuellen Stand) 

Stand der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs 

Im Jahr 2007 ist der erste sexuelle Missbrauch im Internat/Gymnasium St. Josef Biesdorf bekannt geworden. Der Täter verstarb vor Ende der kirchenrechtlichen Voruntersuchung. Ein weiterer Täter im Internat/Gymnasium St. Josef Biesdorf verstarb 2006, bereits vor dem Bekanntwerden des Missbrauchs.

Im Herbst 2008, vor sechzehn Jahren, wurde durch die Initiative eines ehemaligen Schülers der massive sexuelle Missbrauch im Internat Lebenhan, in der Rhön, bekannt und öffentlich. Der Missbrauch selbst liegt bereits ca. fünfzig Jahre zurück. Der Täter verlor alle Rechte und Pflichten eines Klerikers, wurde aber nicht aus dem Orden entlassen. Heute lebt er in einem Pflegeheim.

 lm Mai 2010 wurde den Missionaren von der Heiligen Familie erstmals ein sexueller Missbrauch in der ehemaligen Missionsschule St. Maria in Oberhundem-Adolfsburg, aus dem Zeitraum 1956 - März/April 1957, bekannt. Der Täter war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben.

 Die Deutsche Provinz der Missionare von der Heiligen Familie beteiligt sich seit dem 16. August 2021 am Verfahren zur Anerkennung des Leids der deutschen Bischofkonferenz und der Deutschen Ordensoberenkonferenz, in der Form vom 24. November 2020.

 Bisher wurden achtzehn Anträge auf Anerkennungsleistungen der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) vorgelegt, einer davon ein Widerspruch nach Ziffer 12.1 der Verfahrensordnung zur Anerkennung des Leids, vier davon sind Zweitanträge nach Ziffer 12.2 der Verfahrensordnung.

Über fünfzehn Anträge hat die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen entschieden, die zugesagten Zahlungen sind erfolgt. Aufgrund eines Antrags nach Ziffer 12.2 erfolgte eine höhere Leistung in Anerkennung des Leids. Ein Antrag nach Ziffer 12.2 wurde abgelehnt. Zu einem Neuantrag, zwei Widersprüchen nach Ziffer 12.1 und zu zwei Anträgen nach Ziffer 12.2 der Verfahrensordnung stehen die Entscheidungen aktuell noch aus.

Aus Mitteln der Missionare von der Heiligen Familie erfolgten bisher (01.04.2024) insgesamt Zahlungen in Anerkennung des Leids in Höhe von 191.000,00 €, dazu kommen noch Therapiekostenerstattungen in fünfstelliger Höhe und zusätzlich erhebliche Kosten für Beratung, Aufwandsentschädigungen und Reisekosten.

Ausgehend von der Initiative zwei Betroffener / Opfer aus Lebenhan fand am 11. September 2022 ein Austauschtreffen mit weiteren Betroffenen / Opfern in Würzburg statt. 

Diese Initiative mündet in ein 1. Treffen in eines Klärungs- und Gesprächsprozesses am 13.November 2023 an dem sechs Betroffene / Opfer aus Lebenhan, Pater Dr. Baumbach, als Delegat der Missionare von der Heiligen Familie, Paul Piepenbreier, als Unabhängige Ansprechperson und Sandrina Altenhöner teilnahmen 

Die Folgen des damaligen sexuellen Missbrauchs, der damaligen sexuellen Gewalt belasten Opfer bis heute. Nicht immer konnte der Orden den Betroffenen hilfreich sein. Das Ringen um einen »angemessenen Umgang« mit den damaligen Straftaten wie die öffentliche Diskussion um den vielfachen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, erschüttert immer wieder vor allem Opfer/Betroffene.

Trotz intensiven gesellschaftlichen Diskurses, kirchlicher Auseinandersetzungen, wissenschaftlicher Studien ist die bohrende Frage: »Wie konnte so etwas geschehen, gerade auch im kirchlichen Umfeld?« noch nicht wirklich beantwortet.

Im Blick auf die vergangenen fünfzehn Jahre ist deutlich, dass die bisherige Aufarbeitung ein offener Prozess war und ist, in dem angemessen wie unangemessen gehandelt wurde. Durch die festgestellte Verjährung fehlten staatsanwaltliche und polizeiliche Hilfen. Der Orden war gerade in der Anfangszeit ab 2007 bei der Klärung der Vorwürfe, die Betroffenenarbeit und Fragen der Aufarbeitung auf sich allein gestellt. 

Ein zweites Treffen im Klärungs- und Gesprächsprozess findet am Montag, 18. März 2024 wieder Würzburg statt. 

Der Klärungs- und Gesprächsprozess bleibt für alle Opfer/Betroffenen aus dem Kontext der Missionare von der Heiligen Familie offen. Zugleich besteht Konsens, das individuelle Entscheidungen andere Wege des Umgangs mit dem erlittenen Leid zu nutzen, ebenso respektiert werden.

Für die Missionare von der Heiligen Familie endet unsere Verantwortung, unsere Verpflichtung gegenüber den Opfern sexueller Gewalt nicht mit den Anerkennungszahlungen. Unabhängig von deren Höhe, können Zahlungen den Schmerz und das Leid, die Verletzungen nicht wirklich heilen. Unabhängig von dem Antragsverfahren sehen die Missionare von der Heiligen Familie sich weiter in der Pflicht gegenüber den Opfern sexueller Gewalt. Im Dialog mit den Betroffenen / Opfern bleibt zu klären, wie dies dauerhaft aussehen kann. Die Missionare von der Heiligen Familie bleiben für die Betroffenen / Opfern ansprechbar. Für Kontaktwünsche zu den Betroffenen steht Herr Piepenbreier als unabhängige Ansprechperson zur Verfügung.

Weitere Meldungen zu sexueller Gewalt im Kontext der Gemeinschaft, bzw. Anträge auf Anerkennungsleistungen sind möglich und werden erbeten, sowohl an die deutsche Delegation der Missionare von der Heiligen Familie wie an die Unabhängige Ansprechperson. 

Stand: 24.04.2024

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