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Pater Jean Berthier

 (1840-1908)
Gründer des Ordens
der Missionare von der Heiligen Familie

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Über den Orden

Die Missionare von der Heiligen Familie sind eine internationale katholische Ordensgemeinschaft. Der französische Priester Jean Berthier (1840-1908) hat diesen Orden 1895 in einer leerstehenden und halbverfallenen Kaserne der niederländischen Stadt Grave gegründet. Ausgehend von dem Wort des Evangeliums "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter" war es die Intention des Gründers, junge Männer auf einem "zweiten Bildungsweg" zum priesterlichen und missionarischen Dienst zu führen. Diese sogenannten "spätberufenen" Missionare und Ordensleute sollten nach dem Willen des Gründers in kleinen Gruppen dorthin gehen, wo das Evangelium noch nicht verkündet wird.

Papst Leo XIII. nannte dieses Vorhaben im November 1894 "ein zeitgemäßes Werk" und wünschte, "daß es möglichst bald verwirklicht werde".

Den Orden stellte Pater Berthier unter den Schutz der Heiligen Familie. In ihr sei Jesus, "der Missionar seines Vaters", herangewachsen. Sie selbst sei "das vollkommene Modell für jede religiöse Gemeinschaft und auch für jede christliche Familie".

Als Pater Berthier am 16. Oktober 1908 im Alter von 68 Jahren in Grave starb, waren 25 Priester und Missionare ausgebildet. Drei Jahre später wurden die ersten Missionare in das unwegsame Amazonasgebiet Brasiliens ausgesandt.

Die Intention Pater Berthiers, Missionare auszubilden und dorthin zu senden, wo das Evangelium noch nicht verkündet werde, hat die Gestalt des Ordens geprägt. Der missionarische Einsatz erfolgte in weit auseinanderliegenden Gebieten:

im Amazonasgebiet Brasiliens (1911), in Texas (1924), in den Urwäldern Ost-Borneos (1926), auf der Insel Java (1932), in Nordnorwegen am Polarkreis (1932), in den Armenvierteln von Buenos Aires (1934), auf der Insel Madagaskar (1950), in Äthiopien (1958-1978), im Gebirgsland von Papua-Neuguinea (1988), in Weißrussland und der Ukraine (1990), auf der indonesischen Insel Flores (1993).

Dieses äußere Erscheinungsbild des Ordens fasste der ehemalige Generalobere Pater Josef Scherer in ein Bomot: "Wer Missionare von der Heiligen Familie sucht, muss dorthin gehen, wo die Straßen aufhören." Die innere Entwicklung umschreibt das Generalkapitel in den Konstitutionen von 1985: "Das besondere Ziel unserer missionarischen Ordensgemeinschaft ist das Apostolat unter 'all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird' (Apostelgeschichte 2, 39). Wir setzen uns vornehmlich dort ein, wo die Kirche noch nicht oder nicht mehr lebensfähig ist."

Der Orden der Missionare von der Heiligen Familie besteht aus 950 Mitgliedern, die als Ordenspriester oder Ordensbrüder ihren Aufgaben in 21 Ländern nachgehen. Der Orden gliedert sich in 15 Provinzen. Die Generalleitung hat ihren Sitz in Rom.

www.misafa.org

 

Pater Jean Berthier (1840-1908)

Johannes Berthier wurde am 24. Februar 1840 in dem kleinen französischen Dorf Chatonnay geboren. Schon früh im Leben zeigte er eine tiefe Neigung zum religiösen Leben. Als er das entsprechende Alter erreicht hatte, wurde er auf eine Schule geschickt, die ihm später den Eintritt ins Diözesanseminar ermöglichte. Nach seiner gymnasialen Ausbildung, ging Johannes am 23. Oktober 1858 ins Seminar nach Grenoble. Bereits im elterlichen Haus hatte er von der Erscheinung unserer Lieben Frau auf dem Berg La Salette gehört.

Am 19. September 1846 war die Gottesmutter zwei Hirtenkindern auf dem Berg von La Salette in den französischen Zentralalpen erschienen und hatte ihnen eine Botschaft von Bekehrung und Versöhnung mitgeteilt.
Die Erscheinung wurde 1851 von der Kirche bestätigt. Im folgenden Jahr wurde die Kongregation der Missionare von La Salette gegründet, um die Botschaft unserer Lieben Frau zu verbreiten.

Das Interesse an unserer Lieben Frau von La Salette war bei P. Berthier geweckt; es ist seitdem nie geringer geworden. Als er noch Diakon war, ging er am 14. Juli 1862 den Berg La Salette hinauf, um in die kleine Ordensgemeinschaft der Missionare von La Salette einzutreten. Seine Gesundheit war schwach. Daher machte ihm das raue Wetter auf dem hohen Berg schwer zu schaffen. Er war gezwungen, sein Noviziat zu unterbrechen, um sich gesundheitlich zu erholen. Sein starker Wille und sein Vertrauen in Gott haben ihm geholfen, sein Ziel zu erreichen.

Am 20. September 1862 empfing Johannes Berthier die Priesterweihe. Wegen seines jungen Alters hatte er zuvor eine besondere Erlaubnis vom Heiligen Stuhl erhalten, da er erst 22 Jahre alt war. Jahrzehnte hindurch wirkte P. Berthier in den Sommermonaten auf dem Berg La Salette. Er feierte für die Pilger die heilige Messe, hörte viele Stunden Beichte, er predigte und verkündete den Pilgern immer neu die Botschaft unserer Lieben Frau von La Salette. Wegen der geringen finanziellen Mittel gab es am Heiligtum wenig Personal. Deswegen musste P Berthier in der Sorge um die Pilger alle möglichen Dienste übernehmen. So verrichtete er neben seinen priesterlichen Aufgaben auch einfache Handarbeiten. Wegen hohen Schnees konnten die Pilger im Winter nicht zum Heiligtum von La Salette kommen. Deshalb gab P. Berthier während der Wintermonate Exerzitien und Volksmissionen in vielen Pfarreien Frankreichs.

Zwei wichtige Gedanken beschäftigten unaufhörlich das Denken und Handeln von P. Berthier.
Er wollte die Botschaft von La Salette den Menschen verkünden, um sie zu Gott zu führen. Gleichzeitig beunruhigte ihn der Mangel an Priestern für die Missionen. Das Bibelwort: "Die Ernte ist gross, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden" (Mt 9,37,38) hatte sich tief in seine Gedanken eingeprägt und bestimmte sein Leben. Er spürte ein starkes Verlangen, die Zahl der Priester für die Missionen zu mehren.

Bei seinen pastoralen Tätigkeiten am Heiligtum von La Salette, bei Exerzitien und Volksmissionen begegnete er immer wieder jungen Männern, die gern Priester werden wollten, aber nach den allgemeinen Vorstellungen der damaligen Zeit für ein Studium zu alt waren. Daher wollte er ein Seminar für Spätberufene gründen. Die Vorgesetzten seiner Kongregation lehnten das jedoch ab. Papst Leo XIII hingegen drängte ihn, das "zeitgemäße Werk' für Spätberufene zu verwirklichen.

Daher ging P. Berthier schließlich im Alter von 55 Jahren nach Grave in Holland, einer kleinen Stadt unweit von Nimwegen. Hier gründete er am 28. September 1895 ein Institut für Spätberufene, aus der dann mit Erlaubnis des Heiligen Stuhls in Rom die Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie entstand. Die Anfänge in Grave waren schwer und mit vielen Enttäuschungen verbunden. Mit tiefem Gottvertrauen und großer Zielstrebigkeit arbeitete P. Berthier an der Ausbildung von Missionaren. Bevor er am 16. Oktober1908 in Grave starb, konnte er noch die ersten Priesterweihen erleben. Sein Institut war 1908 noch sehr jung. Er hatte aber Missionare ausgebildet, auf deren Schultern er die große Verantwortung für die Weiterführung seines Werkes legen konnte. Sicher hat P. Berthier die junge Ordensgemeinschaft und ihr Mühen um die Berufe durch seine Fürsprache bei Gott stets liebevoll begleitet.

(Entnommen aus: Die Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie, 100 Jahre nach dem Tod des Gründers; Editions du Signe, 2007)

MSF weltweit

Die Punkte zeigen Missionsländer, in denen MSF-Missionare unterstützt werden und die Missionare der Heiligen Familie wirken.

Die Missionare von der Heiligen Familie zählten im Jahre 1992 um die 950 Mitglieder, die in 21 Ländern anzutreffen sind. Schon drei Jahre nach dem Tod des Gründers entsandte die Kongregation Missionare in das Amazonasgebiet Brasiliens (1911), später nach Texas, Borneo (Kalimantan) und Java.

Missionare von der Heiligen Familie wirken außerdem in Argentinien, Belgien, Canada, Chile, Deutschland, Frankreich, Italien, Mexico, Madagaskar, Nordnorwegen, Niederlande, Österreich, Polen, Schweiz, Spanien. Neuerdings auch in Papua-Neuguinea, Weißrußland und in Tschechien.

Das Signet der MSF

Die meisten Ordensgemeinschaften haben sich in den letzten Jahren ein Symbol zugelegt, das ihre Spiritualität, d. h. ihre geistige Ausrichtung oder ihr Apostolat kennzeichnet. 

Das Symbol oder Signet der Missionare von der Heiligen Familie:

Stern - weist uns auf das Kommen des Erlösers, auf seine Menschwerdung hin.



Kreuz - ist das Zeichen, in dem sich Erlösung vollendet, nämlich im Geheimnis des Todes und der Auferstehung Jesu Christi

Kreis - erinnert uns an den Missionsauftrag Christi: "Geht hin zu allen Völkern"

Das Signet soll jeden Missionar von der Heiligen Familie motivieren, zusammen mit Gleichgesinnten dem Heil der Menschen und dem Kommen des Reiches Gottes zu dienen.

Die Geschichte der Kongregation

Als Pater Jean Berthier im Jahr 1908 starb, zählte die Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie (MSF), die er 1895 in der niederländischen Gemeinde Grave für Spätberufene gegründet hatte, bereits 25 Priester, 54 Seminaristen, 13 Novizen, 70 Schüler und mehrere Brüder. Sie alle wohnten am Gründungsort, wo sie ihre Ausbildung erhalten hatten oder noch erhielten.

Um der Gründung über den Tod des Stifters hinaus Bestand zu geben, war schon zu seinen Lebzeiten die zukünftige Leitung der Kongregation gewählt worden. Bald nach dem Tod von P. Jean Berthier gründete die neue Generalleitung in seinem Sinn mehrere sogenannte apostolische Schulen. Diese frühen Neugründungen, die vor allem für Spätberufe gedacht waren, entstanden, bedingt durch die politische Situation, zunächst in der Schweiz (1909), in Belgien (1910) und in den Niederlanden (1915).

Es war ein mutiger Schritt der jungen Kongregation, dass sie auf Anfrage des Heiligen Stuhles bereits Ende 1910 erstmals fünf Patres und zwei Brüder als Missionare in das Amazonas-Gebiet von Nord-Brasilien entsandte. Diese trafen im Januar 1911 im Hafen von Recife ein und begannen bald darauf ihre missionarische Arbeit in dem wegen seiner gesundheitlichen Risiken gefürchteten Gebiet. Ab 1912 erfolgte regelmäßig die Entsendung weiterer Missionare nach Brasilien.

Herbe Verluste brachte der Erste Weltkrieg (1914-1918) der Kongregation. Fast alle Schüler, Brüder, Scholastiker und Patres französischer und deutscher Herkunft waren zum Kriegsdienst verpflichtet und eingezogen worden. In den Kämpfen und Wirren des Krieges verloren sechs Scholastiker, zwei Novizen und 35 Schüler ihr Leben. Schwerwiegend für die junge Gründung war auch der materielle Schaden, den sie durch die Kriegseinwirkungen erlitt.

1919 wurde P. Anton Trampe als Nachfolger von P. Josef Carl zum zweiten Generalobern gewählt. Bedingt durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) stand er der Kongregation bis 1947 vor.

Die Zeit von Generalsuperior Trampe begann mit einem raschen Anwachsen der Kongregation. In den Niederlanden, in Polen und vor allem in Deutschland konnten mehrere apostolische Schulen gegründet werden. Auch ermöglichte es die schnell zunehmende Zahl der Mitglieder, auf weiteren apostolischen Arbeitsfeldern tätig zu werden. Zusätzlich zu den Missionsgebieten im Norden Brasiliens übernahm die Ordensgemeinschaft der MSF neue Aufgaben im Süden desgroßen Landes, in den Staaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina. Dort konzentrierte sich die Arbeit der Patres auf die kirchliche und seelsorgliche Betreuung der vornehmlich aus Nachkommen der deutschen, italienischen und polnischen Auswanderer bestehenden Bevölkerung. Bereits bestehende Pfarreien wurden übernommen und zudem zahlreiche Gemeinden in den Ortschaften neu gegründet, die nun erst durch Rodung und Siedlung entstanden. Bald wurden auch erste Missionare von der Heiligen Familie nach Chile, Argentinien und in die USA entsandt. Ab 1930 wurde begonnen, in diesen Ländern apostolische Schulen (Formationshäuser) zu gründen, mit besonderem Erfolg in Süd-Brasilien. Bereits 1926 erhielt die Kongregation ein weiteres Missionsfeld in Indonesien, und zwar auf der Insel Borneo, dem heutigen Kalimantan. Dort begannen niederländische Patres und Brüder mit der Missionsarbeit. Die Küstenbevölkerung auf der damals noch wenig erschlossenen und dünn besiedelten drittgrößten Insel der Erde war islamisch, die indigenen Stämme im Inneren des Landes dagegen noch weitgehend ihren Naturreligionen verhaftet. Es sollte sich später als sehr vorteilhaft erweisen, dass 1932 die MSF auch auf der dicht bevölkerten und fruchtbaren Insel Java tätig wurden. Dort entwickelte sich eine aufblühende Ordensprovinz, von der starke Impulse für die Missions- und Seelsorgearbeit in Kalimantan und anderen Gebieten Indonesiens ausgingen.

1931 übernahmen die Missionare von der Heiligen Familie auf Anfrage des Heiligen Stuhles als weiteres Arbeitsfeld Nord-Norwegen. In diesem weiten und dünn besiedelten Gebiet nördlich des Polarkreises lebten nur wenige Katholiken. Diese kirchlich und seelsorglich zu betreuen, war für die damit betrauten deutschen Patres mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die damaligen Verkehrswege waren nur wenig ausgebaut; belastend waren die langen Wintermonate der Polarnacht; vor allem konnte die Einsamkeit sehr bedrückend werden. Die katholische Kirche ist seit der Reformation im lutherischen Norwegen gering an Zahl. Dass sie dennoch als Teil der katholischen Weltkirche anerkannt wird und Ansehen genießt, ist auch dem Wirken der MSF zu danken. Die Kongregation ist nach wie vor in Nord-Norwegen präsent und stellte die drei ersten Bischöfe der Freien Prälatur Tromsö.

Die Zeit, in der P. Trampe Generaloberer war, war sehr belastet durch die nationalsozialistische Tyrannei des Dritten Reiches und die Katastrophe des zerstörerischen und vieles vernichtenden Zweiten Weltkrieges. In Vorahnung der Gefahren eines neuen Krieges war es kluge Voraussicht, dass die Generalleitung der MSF 1938 den damals über siebzig deutschen Seminaristen ermöglichte, ihre philosophischen und theologischen Studien in Lateinamerika weiterzuführen und zu beenden. Diese nahmen das Angebot an, blieben in Lateinamerika und empfingen dort die Priesterweihe. Dieser große Zuwachs an neuen Kräften gab der Arbeit der Missionare von der Heiligen Familie in Brasilien und Argentinien einen enormen Aufschwung.

Ein Großteil der Welt und der Menschheit wurde in den Zweiten Weltkrieg (1939-1945) verwickelt. Er brachte Elend und Not. Auch diesmal waren die Verluste für die Kongregation hoch. Zahlreiche Ordensmitglieder der europäischen Provinzen sind gefallen oder wurden, wie vor allem in Polen, Opfer der NS-Gewalt. Schwere Leiden trafen auch die Missionare in Indonesien. Trotz mancher Verluste und der Zerstörung mehrerer Ausbildungshäuser und Konvente der Kongregation begann bald nach Beendigung des Krieges der Wiederaufbau. Schon nach wenigen Jahren erreichte die Zahl der in Ausbildung befindlichen Scholastiker die gleiche Höhe wie vor dem Krieg. Dadurch wurde es möglich, zur Unterstützung der Missionare in den bereits bestehenden Missionsgebieten neue Kräfte zu entsenden. Die Schweizer Provinz übernahm sogar eine eigene Mission in West-Madagaskar, wobei sie von MSF aus der französischen Provinz unterstützt wurde.

Nach 1950 erreichte die Kongregation mit mehr als 1300 Mitgliedern ihre bis dahin größte Zahl. Es entsprach dem Wunsch der römischen Kurie, dass die MSF gleich den meisten anderen Orden und Kongregationen während des Pontifikates von Papst Pius XII. ihr Generalat von Grave (Niederland) nach Rom verlegte. Zentralistische Tendenzen spielten bei dieser Entscheidung eine Rolle.

Bald nach Ende des Krieges brachen sich neue Ideen und große politische, gesellschaftliche, religiöse und spirituelle Bewegungen mit Vehemenz Bahn. Von den daraus resultierenden tiefreichenden Umbrüchen und Veränderungen blieb die katholische Kirche nicht unberührt. Gestalt gewannen die neuen kirchlichen Ideen durch Papst Johannes XXIII. und das von ihm einberufene Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Mit dem „aggiornamento“ öffnete sich die katholische Kirche weit der Welt gegenüber. An die Stelle von Zentralismus und Verordnung von oben traten die Gedanken der Communio und des Dialogs. Das führte zu großem spirituellem Aufbruch und zuversichtlichem Beschreiten vieler neuer Wege. Es brachte aber auch manches Ungestüme mit sich und das Aufbegehren konservativer Strömungen. Was für die Gesamtkirche galt, zeigte sich auch in Ordensgemeinschaften, Kongregationen und religiösen Instituten. Die Ordensleute waren aufgefordert und eingeladen, ihre Ordensregeln im Sinne des Konzils zu überprüfen, sie den erforderlichen Gegebenheiten der Zeit anzupassen und in einer Atmosphäre des Dialogs neue spirituelle Akzente zu setzen. 1985 erhielt die so erneuerte Ordensregel der Missionare von der Heiligen Familie vom Heiligen Stuhl die Approbation.
Eine weltpolitische Veränderung brachte das Jahr 1989. Es fiel nicht nur die Mauer von Berlin, sondern auch der Eiserne Vorhang, der das kommunistisch beherrschte Osteuropa über Jahrzehnte von der restlichen Welt isoliert hatte. Diese neue Lage war von Bedeutung auch für die Kongregation der MSF. So war es der inzwischen groß gewordenen polnischen Provinz erstmals möglich, ihren missionarischen Willen und Auftrag in die Tat umzusetzen. Sie begann 1988 mit der Übernahme ihrer ersten Mission in Papua New Guinea. Bald darauf entsandte die polnische Provinz Missionare nach Weißrussland, in die Ukraine und nach Tschechien. Bald kamen polnische Patres auch nach Westeuropa und halfen in den Ländern, wo Missionare von der Heiligen Familie bereits tätig waren und aufgrund des Fehlens neuer Berufe dringend auf Hilfe angewiesen waren. Die Krise der Priester- und Ordensberufe in den Ländern des Westens nahm ab etwa 1970 kontinuierlich zu. Auf der Ebene der Kongregation konnte das bisher zum Teil ausgeglichen werden durch die Zahl der Berufe in Polen, Indonesien, Madagaskar und Südbrasilien. Dadurch ist es möglich, übernommene kirchliche und seelsorgliche Aufgaben weiterzuführen, insbesondere in den Bistümern, die von MSF-Bischöfen - zur Zeit sind es acht - geleitet werden. Außer in der Seelsorge wirken heute Patres und Brüder der MSF schwerpunktmäßig in drei Apostolatsbereichen: Mission „unter denen in der Ferne“, Berufungspastoral und Familienapostolat. Es ist das Bestreben der Kongregation, vor allem in diesen Bereichen gut ausgebildete und religiös fundierte Mitglieder einzusetzen. Das entspricht ihrem Gründungscharisma und dient den Erfordernissen der Kirche in unserer Zeit.

(Quelle: misafa.org)

© Missionare von der Heiligen Familie 2017
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